
Religionspädagogische Qualifizierung „Ein Kind muss wissen, dass es gewollt ist.“
Wie gehe ich im Kita-Alltag mit religiösen Themen um? Dazu haben sich Erzieherinnen und Erzieher weitergebildet und den Kurs mit einem Zertifikat abgeschlossen. 2026 soll es einen weiteren Kurs geben.
Erscheinungsdatum: 28. November 2025
von Bettina Albrecht, Referentin im Fachbereich Pastoral des Bistums Magdeburg
Während bereits die ersten Weihnachtsmärkte öffnen, räumen die Erzieherinnen der Ökumenischen Kita „Sonnenschein“ in Genthin gerade noch die letzten Utensilien des Martinsfestes weg. Es muss schnell gehen, denn der Advent ist nicht mehr weit. Und damit bahnen sich schon die nächsten Höhepunkte des christlichen Kirchenjahres an: Nikolaus, Barbaratag, Weihnachten.
Kein Wunder, dass der Leiterin der Kita, Franziska Stollberg, der Kopf rauscht. Zumal sie den Kindern nicht nur äußerliche Erfahrungen, sondern auch gute religiöse Perspektiven ermöglichen möchte. Das ist ihr wichtig. Und zugleich sind besondere Herausforderungen damit verbunden: Die meisten Kinder der Einrichtung und ihre Familien gehören keiner christlichen Religionsgemeinschaft an. Und bei den Erzieherinnen ist es kaum anders.
9 Tage, drei Module
Etwas aber ist leichter in diesem Jahr der Winterhighlights: Franziska Stollberg hat an einer religionspädagogischen Weiterbildung, veranstaltet durch den Fachbereich Pastoral des Bistums Magdeburg, teilgenommen. Unter dem Titel „Dein Gott, mein Gott, kein Gott. Gott für Kinder.“ hat sie sich über 9 Tage, verteilt auf 3 Module, mit Fragen der religiösen Bildung im Elementarbereich befasst. Sie wollte ihre fachlichen Fähigkeiten und Qualifikationen im Bereich religiöser Bildung erweitern.
„Für meine Arbeit in einer kirchlichen Einrichtung war es mir wichtig, das nötige Wissen zu erlangen, um den Kindern religiöse Inhalte achtsam, kompetent und altersgerecht vermitteln zu können“, meint sie. Ihre wichtigste Erkenntnis: „dass das Thema „Glauben“ bzw. „das Göttliche“ unabhängig von der eigenen Konfession präsent und vermittelbar ist. Auch konfessionsfreie Personen können Kindern religiöse Themen näherbringen.“ Die Weiterbildung hätte sie in ihrem pädagogischen Handeln bestärkt und ihr mehr Sicherheit gegeben, religiöse Themen kindgerecht und reflektiert in den Alltag einzubinden.
Das ermutigt Bettina Albrecht, Referentin im Fachbereich Pastoral und verantwortlich für diese Weiterbildung, zur Planung eines nächsten Weiterbildungsdurchgangs in 2026. Sie macht einen deutlichen Bedarf aus, und das nicht nur wegen der veränderten Rahmenbedingungen religiöser Bildungsprozesse in Kitas. Es gehe ihr auch sehr darum, Kinder als kompetente Konstrukteur:innen einer Wirklichkeit, die sich ihnen so Stück für Stück erschließt, auch selbstbestimmter in die Entdeckung religiöser Perspektiven einzubinden.
Positive Beziehungen
Prof. Dr. Christa Georg-Zöller, Professorin für Religionspädagogik und Leiterin der religionspädagogischen Weiterbildung in Magdeburg bestätigt: „Das Kind ist kompetent von Anfang an. Es ist Subjekt auch seiner eigenen religiösen Bildung. Doch Lernen ist immer Selbstaneignung in Beziehung. Deshalb braucht das Kind neben Informationen und inhaltlichen Hilfestellungen vor allem liebevolle, zugewandte, positive Beziehungen und Bindungen, an und in denen es lernen und sich entwickeln kann, auch religiös-spirituell.“
Nicht nur in Magdeburg ist Georg-Zöller seit diesem Jahr in dieser Weiterbildung tätig, sie bringt viele Jahre Erfahrung im Erzbistum Hamburg mit – hier trägt sie seit 2011 Verantwortung für diese spezifische religionspädagogische Weiterbildung, die sie selbst konzipiert hat und durchführt.
Die Weiterbildung orientiere sich an drei wichtigen Kernfragen des christlichen Glaubens, so Georg-Zöller, der Frage nach Religion, nach Gott und nach Jesus Christus. Sie wende sich damit an Erzieherinnen und Erzieher aller - auch religionsfreier - Glaubensrichtungen.
Gerecht handeln?
Zugespitzt gingen in diesen drei Themenkreisen auch die existentiellen Fragen der Kinder auf, an denen sich deshalb die religionspädagogische Weiterbildung im Elementarbereich orientiere: Wer bin ich und wer darf ich sein? – Die Frage nach sich selbst. Warum müssen Menschen sterben? – Die Frage nach dem Sinn des Lebens. Wo finde ich Schutz und Geborgenheit? – Die Frage nach Gott. Warum soll ich andere gerecht behandeln? – Die Frage nach dem Grund ethischen Handelns. Schließlich: Warum glauben manche Kinder an Allah? – Die Frage nach der Religion der anderen.
Diese Fragen würden, so Georg-Zöller weiter, Kinder und Erwachsene gleichermaßen beschäftigen – also auch Erzieherinnen und Erzieher. Christlich werden sie auf Gott hin gedeutet. Doch in Zeiten der Pluralisierung und Säkularisierung von Weltanschauungen und Religionen haben diese Antworten ihre Aussagekraft und Allgemeinverbindlichkeit verloren. Dies betrifft die Kinder in der Kita, ihre Familien wie auch die Erzieherinnen und Erzieher. In dieser Weiterbildung gehe es deshalb darum, Antworten aus dem christlichen Glauben attraktiv, zeitgemäß und vernünftig nachvollziehbar zu vermitteln.
Sicherheit bei religiösen Themen
Genau so hat es Jasmin Dost, Erzieherin in der katholischen Kita St. Anna in Köthen, ebenfalls Teilnehmerin der Magdeburger Weiterbildung, erlebt. Die Weiterbildung hätte ihr mehr Sicherheit gegeben, religiöse Themen wertfrei und kindgerecht zu begleiten, und ihren Blick für kulturelle und familiäre Vielfalt erweitert. Sie gehe religiöse Fragen der Kinder nun offener und zugleich strukturierter an, nutze Rituale bewusster und traue sich eher, eigene kleine, religiöse Impulse zu setzen.
Und beide Teilnehmerinnen, Franziska Stollberg und Jasmin Dost, benennen unabhängig voneinander als ihre schönste Erfahrung aus der Weiterbildung, „zu erleben, wie das Thema Religion Menschen miteinander verbindet und zu einer offenen, wertschätzenden Gemeinschaft werden lässt.“
So könnte ja also auch die baldige aufregend-anstrengende Adventszeit in den Kindertageseinrichtungen zu einem besonderen religionspädagogischen Highlight werden.
Die nächste Religionspädagogische Qualifizierung „Dein Gott, mein Gott, kein Gott. Gott für Kinder.“, als dreimodulige, insgesamt 9 Tage umfassende Weiterbildung beginnt am 25. März 2026. Nähere Informationen zu Inhalt und Anmeldung finden Sie hier.
Quelle: Bistum Magdeburg, Pressestelle, presse@bistum-magdeburg.de, 0391-5961134



