
Mechthild von Magdeburg „Mechthild-Codex“ feierlich übergeben
Erscheinungsdatum: 24. September 2026
Nach rund 800 Jahren kehrt das Werk der Magdeburger Mystikerin Mechthild von Magdeburg (1207–1282/94) in besonderer Form in ihre Heimatstadt zurück. Im Rahmen einer Festveranstaltung im Kulturhistorischen Museum Magdeburg überreichte Bischof Dr. Gerhard Feige am Mittwoch, dem 23. September 2026, ein Exemplar an Dr. Gabriele Köster, Direktorin der Magdeburger Museen. Im Kulturhistorischen Museum wird der Codex künftig aufbewahrt.
Rund 130 Gäste besuchten die Abendveranstaltung, die sich mit der Geschichte und Bedeutung des Werkes sowie dem Wirken von Mechthild von Magdeburg widmete. Musikalisch begleitet wurde der Abend durch Marlene Holzwarth (Mezzosopran), Alexandra Mikheeva (Posaune) und Fynn Liess (Virginal). Neben Bischof Dr. Feige und Museumsdirektorin Dr. Köster wurden zahlreiche Ehrengäste begrüßt, darunter Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Magdeburg, des Landesfrauenrates Sachsen-Anhalt sowie die Künstlerin Angelika Pohler.
Einen persönlichen Einblick gab Maria Faber. Sie berichtete von der Pilgerreise in die Schweiz zum Benediktinerinnenkloster Au, um den Codex vor Ort zu begutachten. An der Reise nahmen 16 Multiplikatorinnen aus den Bereichen Frauenbildungs- und Demokratiearbeit aus dem Bistum Magdeburg, der Ev. Kirche in Mitteldeutschland (EKM) sowie dem Land Sachsen-Anhalt teil. Die Reise war ein Kooperationsprojekt des Bistums Magdeburg, des kfd-Diözesanverbandes Magdeburg, des Ökumenischen Forums Christlicher Frauen in Europa, der Katholischen Erwachsenenbildung e.V. sowie TOLL e.V. und wurde durch das Bonifatiuswerk gefördert.
Den Abschluss des Abends bildete ein geselliges Beisammensein im Foyer des Museums. Bei einem Glas Wein aus Sachsen-Anhalt nutzten die Anwesenden die Zeit für anregende Gespräche und warfen einen ersten Blick auf das Schriftstück, das im Museum bereits seinen festen Platz gefunden hat.
Mechthild von Magdeburg gilt als eine bedeutende Vertreterin der mittelalterlichen Mystik. Um 1250 verfasste sie ihr Hauptwerk „Das fließende Licht der Gottheit“, in dem sie Visionen, Gebete, Meditationen und Lehrreden festhielt. Mechthild schloss sich der Armutsbewegung der Beginen an und verbrachte ihre letzten Lebensjahre im Kloster Helfta. Ihr Werk verbindet die Geschichte Magdeburgs mit der europäischen und internationalen Geistesgeschichte und gibt zugleich Einblick in die religiösen Erfahrungen und die Lebenswelt einer Frau des 13. Jahrhunderts.
Hommage von Prof. Dr. Hildegund Keul
Den inhaltlichen Höhepunkt des Abends bildete der Vortrag der renommierten Theologin und Germanistin Prof. Dr. Hildegund Keul von der Universität Würzburg. In ihrer Habilitationsschrift beschäftigte sie sich intensiv mit Mechthild von Magdeburg und durch ihre langjährige Dozententätigkeit in Magdeburg ist sie fest mit der Region verbunden.
In ihren Ausführungen beleuchtete die Expertin sowohl Mechthilds historische Wege zwischen Magdeburg und Helfta als auch die zeitlose Relevanz ihrer mystischen Friedens- und Glaubensbotschaft für die Gegenwart. Dabei wurde ebenso deren Entstehung aus der damaligen Armutsbewegung wie auch deren Bedeutung für die Gegenwart hervorgehoben. Es geht um Gravuren der Mystik in der Systematischen Theologie und Religion, in Ritual und Sakrament – Theologie als Heterologie.
Abschrift aus einem Schweizer Kloster
Das Originalmanuskript von Mechthilds Werk ist heute verschollen. Eine Abschrift aus den 1340er Jahren befindet sich in der Bibliothek des Benediktinerklosters Einsiedeln in der Schweiz. Sie gilt als das älteste bekannte erhaltene Exemplar des Werkes. Auf Initiative von Frauen aus dem katholischen Bistum Magdeburg und mit Unterstützung der Benediktinerinnen des Klosters Au in der Schweiz wurden vier Nachdrucke des Codex angefertigt.
Quelle: Bistum Magdeburg, Pressestelle, presse@bistum-magdeburg.de, 0391-5961134

















