
Bildrechte / Quelle: Bistum Magdeburg
Jubiläum Willi Kraning feiert 70 Jahre Priesterweihe
Ein außergewöhnliches Jubiläum wurde am Sonntag, dem 10. Mai 2026, in der Kathedrale St. Sebastian in Magdeburg begangen: Bischof Gerhard Feige gratulierte Domkapitular em. Willi Kraning zum 70. Jahrestag seiner Priesterweihe. Erst vor wenigen Wochen konnte der Jubilar seinen 95. Geburtstag feiern.
Erscheinungsdatum: 9. Mai 2026
In seinem Grußwort würdigte Bischof Gerhard Feige das bewegte Leben von Willi Kraning: Sein Lebensweg spiegelt die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts ebenso wider wie die Entwicklung der Kirche in bewegten Zeiten: Als Heranwachsender erlebte er den Nationalsozialismus. Besonders eindrücklich blieb ihm der Morgen nach der Pogromnacht 1938 in Erinnerung, als er gemeinsam mit seinem Vater vor der zerstörten und noch rauchenden Synagoge in Hagen stand. Auch die Bombennächte des Krieges haben ihn geprägt.
Kurz vor Abschluss seines Theologiestudiums in Paderborn traf Kraning eine mutige Entscheidung: freiwillig wechselte er aus Westfalen in das Gebiet des späteren Bistums Magdeburg. 1956 wurde er in Magdeburg zum Priester geweiht. Obwohl seine Weihe noch im alten tridentinischen Ritus gefeiert wurde, sei sein Denken und Wirken stets von Aufbruch und Erneuerung geprägt gewesen, so Bischof Feige in seiner Würdigung. Die Jugend- und Bibelbewegung, die liturgische und ökumenische Bewegung sowie ein neues Kirchenverständnis, das später auch das Zweite Vatikanische Konzil prägen sollte, bestimmten Kranings priesterlichen Dienst von Anfang an.
Unbequemer Geist
Schon früh galt er dem DDR-Regime als unbequemer Geist. Widerständig und unbeirrbar ließ er sich dennoch nicht einschüchtern. Seine bewusste Entscheidung, in der DDR zu bleiben, bedeutete zugleich, dass er seine westfälische Heimat über lange Zeit nicht mehr besuchen konnte.
Nach ersten seelsorglichen Erfahrungen in Zeitz und Ostrau übernahm er Aufgaben in der Männer- und Frauenseelsorge sowie in der Erwachsenenbildung. Es folgten 17 Jahre als Pfarrer in Schönebeck und zehn Jahre als Pfarrer in Genthin. Anschließend wirkte er noch drei Jahre als Leiter des Seelsorgeamtes in Magdeburg. Besonders während der Friedlichen Revolution im Herbst 1989 engagierte sich Kraning maßgeblich bei der Organisation der Friedensgebete in Genthin. Auch danach setzte er sich mit großer Beharrlichkeit für gesellschaftliche Verantwortung, für Gerechtigkeit und Barmherzigkeit sowie für das Gemeinwohl ein.
Als Mitglied des Kathedralkapitels hat er darüber hinaus die Entwicklung des Klosters Helfta entscheidend begleitet. Bis heute nehme Kraning mit bemerkenswerter Aufmerksamkeit und geistiger Frische Anteil am Leben von Kirche und Gesellschaft, so Bischof Feige.
„Trotzdem“ als Lieblingsname für Gott
Kennzeichnend für sein Denken und seinen Glauben ist eine tiefe Ehrlichkeit. So bekannte er einmal selbstkritisch: „Ich glaube an Gott und ich leide an Gott. Die Wortschöpfung ‚der liebe Gott‘ kommt mir nur schwer über die Lippen, noch schwerer habe ich es mit dem ‚allmächtigen‘ Gott.“ Zugleich hält Willi Kraning unbeirrbar an seiner Hoffnung fest und sagt von sich, er glaube „fest an eine Zukunft über den Tod hinaus“. Besonders prägend ist sein Verständnis des Wortes „Trotzdem“ als Lieblingsname für Gott: „Ich versage – trotzdem, er ist liebend da. Ich lebe relativ heidnisch – trotzdem, er beschenkt und belastet mich mit dem Evangelium.“
Der Liebe Gottes ein Gesicht geben
Auch sein Verständnis des Christseins bringt Kraning eindrücklich auf den Punkt: „Fußwaschungsdienst.“ Für die Kirche gebe es „einen einzigen Grund ihrer Existenz: der Liebe Gottes ein Gesicht zu geben“. Daraus leite sich für ihn die entscheidende Gewissensfrage ab: „Habe ich der Liebe Gottes ein Gesicht gegeben?“
In seiner Würdigung dankte Bischof Feige dem Jubilar für dessen jahrzehntelangen treuen Dienst und sein glaubwürdiges Zeugnis: „Mit Wachheit, Klarheit und innerer Verlässlichkeit bist du deinen Weg gegangen: als zugewandter Seelsorger, aufmerksamer Gesprächspartner und glaubwürdiger Zeuge der Hoffnung.“ Dass der emeritierte Domkapitular auch heute noch mit lebendigem Interesse Anteil an Kirche und Welt nehme, sei für viele Menschen ein großer Segen.
Bischof Feige erinnerte zudem an den verstorbenen Freund, Kursmitbruder und Bischof em. Leo Nowak, mit dem der Jubilar dieses seltene Jubiläum gern gemeinsam gefeiert hätte. Die Verbundenheit mit Bischof Leo reiche jedoch „über den Tod hinaus und lässt uns auch an diesem Tag nicht ohne Trost zurück", sagte Bischof Feige.
Willi Kraning bedankte sich bei Bischof Feige und der gesamten Gottesdienstgemeinde für die Glückwünsche. Dann zitierte er den verstorbenen Bischof Leo: "Glaube ist der singende Vogel, wenn die Nacht noch dunkel ist."
Quelle: Bistum Magdeburg, Pressestelle, presse@bistum-magdeburg.de, 0391-5961134









