Bistumskarte
Kerze im Dunkel
Foto: Monika Wagmann

Nachruf Hans-Joachim Marchio

Der barmherzige Gott hat am 30. November 2019 seinen treuen Diener, Geistlichen Rat, Pfarrer i. R. Hans-Joachim Marchio im Alter von 76 Jahren in sein ewiges Reich gerufen.

Hans-Joachim Marchio wurde am 25. März 1943 in Lutherstadt Eisleben geboren. Dort verlebte er seine Kindheit und die Schulzeit. Im Jahr 1949 wurde er in die Grundschule aufgenommen und lernte ab 1957 an der Martin-Luther-Oberschule. Nachdem er dort 1961 erfolgreich die Reifeprüfung abgelegt hatte, ging er nach Halle, um sich im Sprachenkurs auf das Theologiestudium vorzubereiten, das er ein Jahr später am Philosophisch-Theologischen Studium und am Priesterseminar in Erfurt aufnahm. Nach der pastoral-praktischen Ausbildung im Priesterseminar auf der Huysburg wurde er am 29. Juni 1968 in Magdeburg zum Priester geweiht.

Seinen priesterlichen Dienst begann er als Vikar in der Pfarrei Osterburg und wurde vier Jahre später in die Pfarrei St. Norbert in Merseburg versetzt. Dort war er zugleich als Seelsorger der dortigen Studentengemeinde tätig. Im Jahr 1978 trat er die Stelle des Pfarrers der Studentengemeinde Thomas Morus in Halle (Saale) an. Nach spannungsreichen Jahren in der Studentengemeinde gelang es ihm durch seine den Studenten und ihren Fragen zugewandte Art ihr neues Leben einzuhauchen. Allerdings blieb bei seinem vielfältigen und umtriebigen Engagement das gleichzeitig in Erfurt aufgenommene Lizentiatsstudium in Philosophie auf der Strecke.

Bischof Johannes Braun berief ihn im Jahr 1983 zum Rektor des Norbertuswerkes in Magdeburg. Mit geradezu prophetischem Gespür ahnte Rektor Marchio, welche Möglichkeiten sich mit der gesellschaftlichen Wende 1989 eröffneten. Ausgerüstet mit einem lebhaften Naturell, mit hoher Kontakt- und Gesprächsbereitschaft und noch dazu mit Telefon und Auto knüpfte er Beziehungen in viele Richtungen und packte viele sich nun auftuende Aufgaben an. So wandelte er das bisherige Norbertuswerk zu einem Kolleg um, an dem neben einigen Priesteramtskandidaten viele neue Schülerinnen und Schüler, katholische und evangelische junge Frauen und Männer, Christen und Nichtchristen, das Abitur erwerben konnten. Für Menschen, die vorher nichts mit Kirche zu tun hatten, brachte diese Öffnung viel an Klärung von Vorurteilen und Missverständnissen, und für die Kirchenleute viele Fragen nach scheinbar Selbstverständlichem.

Wesentlich beteiligt war Hans-Joachim Marchio an der Gründung der katholischen Gymnasien in Halle, Dessau und Magdeburg, die er durch seine vielfältigen Kontakte bis in das Kultusministerium in Berlin hinein vorbereitete. Er engagierte sich auch viele Jahre hindurch als Bistumsbeauftragter für Hochschulseelsorge.

Schließlich lag ihm am Herzen, eine Gesprächsplattform ins Leben zu rufen, um den Kontakt zwischen Kirche und Gesamtgesellschaft zu fördern. Das begann zunächst mit Vortrags- und Diskussionsabenden im Speiseraum des Norbertinums, aus denen dann das „Forum Norbertinum“ und später die Katholische Akademie des Bistums Magdeburg hervorgingen, die ihren Sitz in Halle an der Moritzkirche bekam und deren Leitung er 1995 übernahm. Von dort aus steuerte er als Akademiedirektor die Arbeit an den Standorten Halberstadt, Dessau, Stendal, Magdeburg und Halle. Die Akademie bezeichnete er selber immer wieder als „Wanderzirkus“, weil die Veranstaltungen keineswegs nur in Kirchenräumen stattfanden, sondern in kommunalen Einrichtungen, Museen, Krankenhäusern, Bibliotheken und Hörsälen der Universitäten Halle und Magdeburg. Entsprechend seines ganzheitlichen Ansatzes sorgte er sich in den von ihm initiierten Angeboten um Leib und Seele. Zum einen war bei ihm immer zu spüren, dass er Priester ist und als solcher innerhalb und außerhalb des kirchlichen Raumes viele sehr persönliche Gespräche führte. Zum vollen Menschsein gehörten für ihn zum anderen aber auch Essen und Trinken, Musik und Kunst, Wissensvermittlung und Reiseerlebnisse, Meditation und Glaubenszeugnis.

Ausdruck seines umtriebigen und lebhaften Engagements in Kirche und Gesellschaft waren eine Fülle von weiteren Beauftragungen, die er in all den Jahren seines aktiven Dienstes wahrgenommen hat. So war er Bistumsbeauftragter für Ökumene und arbeitete in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen Sachsen-Anhalts (ACK) sowie im Beirat der Evangelischen Hauptbibelgesellschaft von Canstein mit. Er war Bischöflicher Beauftragter der Katholischen Bundesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung und Ansprechpartner im Bistum Magdeburg für die Kurse der Würzburger Domschule „Theologie im Fernkurs“. In den verschiedenen diözesanen Gremien wie Priesterrat und Bistumsrat stellte er sich aktiv den aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen des Bistums Magdeburg. Bei alledem blieb er in der heutigen Pfarrei St. Mauritius und St. Elisabeth als Subsidiar tätig und unterstützte die Seelsorge, wo es ihm möglich war.

Schon gezeichnet von der sich in den folgenden Jahren verstärkenden Krankheit hat er ab 2012 schrittweise seine vielfältigen Aufgaben niedergelegt und ging schließlich 2013 in den Ruhestand. Zuletzt lebte er im Pflegeheim der Stiftung Marthahaus in Halle.

Mit großer Dankbarkeit feierte Hans-Joachim Marchio im Jahre 2018 am Fest der Heiligen Petrus und Paulus sein Goldenes Priesterweihejubiläum und erinnerte an seine Primizspruch: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.“ (Joh 6,68). Der Herr, dem unser Mitbruder vertraut hat und dem er treu gefolgt ist, vollende nun sein Wirken und rufe ihn zum ewigen Leben.                                                                                                                     (Thomas Kriesel)

Das Requiem für Pfarrer Hans-Joachim Marchio feiern wir am Montag, dem 16. Dezember 2019, um 10:30 Uhr in der St. Moritzkirche in Halle. Die Beerdigung findet anschließend gegen 12:00 Uhr auf dem Südfriedhof, Huttenstraße 25, in Halle statt.

Wir wollen unseres verstorbenen Mitbruders im Gebet und bei der Eucharistiefeier gedenken!

Magdeburg, 04. Dezember 2019
Dr. Gerhard Feige
     Bischof

Anstelle von Blumen und Kränzen wird im Sinne des Verstorbenen um eine Spende für die Stiftung netzwerk leben gebeten:

Volksbank Magdeburg     IBAN: DE79 8109 3274 0001 4646 47,
                                            BIC:   GENODEF1MD1,
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