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Ihr Wagnis hat Bistum bereichert

Feierlicher Gottesdienst zur Verabschiedung der Maristen-Patres aus der Pfarrei St. Peter und Paul in Dessau

„Wir werden sie vermissen. Sie waren fast 30 Jahre lang eine große Bereicherung für uns, seelsorglich wie menschlich“, betont der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates in Dessau, Torsten Fehrmann, anlässlich der Verabschiedung der Maristen-Patres  aus der Bauhaus-Stadt an der Elbe. „Sie haben sich lebhaft in die Kreise und Gruppen der Gemeinde eingebracht und an Veranstaltungen beteiligt. Wir haben zahlreiche Gemeindefahrten unternommen. Es sind persönliche Freundschaften entstanden. Sie waren uns Brüder unter Schwestern und Brüdern“, so Fehrmann. In ihrem hohen Alter hätten es die Patres verdient, sich zurückziehen zu können. „Aber als Christen hier in Dessau sind wir natürlich auch traurig, dass sie gehen. Und haben gewisse Ängste, wie es weitergehen wird.“

Zur Verabschiedung erhielten die Padres auch die Ehrenmedaille des Ministerpräsidenten Dr. Reiner Haseloff, überreicht von Stefan Gäbler, der die besten Grüße des MP überbrachte.

Auch Bischof Dr. Gerhard Feige, der gemeinsam mit Bischof em. Leo Nowak zur Verabschiedung nach Dessau-Süd gekommen war, war voll des Lobes und Dankes: „In den fast drei Jahrzehnten, die Sie hier waren, haben Sie uns auf vielfältige Weise unterstützt, Christen wie Nichtchristen etwas von der Menschenfreundlichkeit Gottes nahezubringen und wie Johannes der Täufer auf den Erlöser zu verweisen. Sie waren – wie es Karl Rahner einmal angemahnt hat – keine Herren, sondern Diener, keine Funktionäre, sondern Geistliche, keine Nachlassverwalter, sondern Wegbereiter. Durch Ihr Dasein und Ihren Dienst haben Sie sehr persönlich Zeugnis von dem abgelegt, was Ihr Leben trägt und woran Sie glauben.“

„Bei Ihrer Ankunft vor 29 Jahren“, so der Bischof in seiner Predigt, „hat es sich für Sie zunächst aber vielleicht trotzdem wie eine Wüstenwanderschaft angefühlt: Unsere Situation hier im Osten Deutschlands war Ihnen nicht so sehr vertraut und Sie hatten auch nicht schon so etwas wie eine feste Gemeinschaft, an die Sie nahtlos anknüpfen konnten. Sie haben etwas Neues gewagt. Und mit diesem Wagnis haben Sie unser Bistum bereichert.“

Als Ordensmänner hätten die Padres in einer Diaspora-Region wie der im Bistum Magdeburg eine gewisse Außenseiterstellung gehabt, die Katholikinnen und Katholiken in dieser überwiegend säkularen Gesellschaft zwangsläufig zukomme. „Sie verstanden Ihren Auftrag darin“, so Feige, „die Kirche vor Ort zu unterstützen und den Menschen im Alltag zu begegnen. Und so war Ihr Wirken nicht laut und extravagant, aber eindrücklich und überzeugend: im priesterlichen Dienst mit allen seinen Facetten innerhalb und außerhalb der Gemeinden der Pfarrei St. Peter und Paul, in den Tätigkeiten als Pfarrer und Dechant, in der Telefonseelsorge und der Geistlichen Begleitung, im Engagement auf dem Bibelturm in Wörlitz oder in der seelsorglichen Begleitung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Caritas-Einrichtungen.“

Pfingsten 1990 hatte der Generalsuperior der Maristen in Rom – ein Australier – angeregt, ob sich die Maristen, besonders die in der deutschen Ordensprovinz, im östlichen Teil Deutschlands engagieren und der Kirche dort beim Aufbruch helfen könnten. Eineinhalb Jahre später eröffneten die Patres der Societas Mariae (SM, Gesellschaft Mariens) auf Einladung von Bischof Leo Nowak in der Pfarrei Heilige Dreieinigkeit in Dessau-Süd eine Kommunität und übernahmen Aufgaben in der Pfarrei und auf weiteren Seelsorgefeldern: Pater Heinrich Haskamp, Bernd Kordes und bald auch Hermann Wöste.

„Unsere Hoffnung war, dass es hier in Dessau-Süd eine lebendige Gemeinde gab“, so Pfarrer Pater Haskamp 2017 zum 25-jährigen Jubiläum der Maristen in Dessau-Süd. „Die Leute hier hatten keine Ahnung von Ordensleben, aber sie haben uns mit wirklich offenen Armen aufgenommen. Und wir haben uns bewusst bemüht, zuzuhören, und nicht als die angeblich großen Macher aus dem Westen zu erscheinen.“

Pater Kordes brachte sich bei Marriage Encounter (Ehebegleitung) und in der Priesterseelsorge ein, Hermann Wöste war bei Flüchtlingen tätig und Heinrich Haskamp als Pfarrer in Dessau-Süd. „Die Tatsache, dass wir Neues begonnen hatten, schlug bei unserem Generalkapitel ein und in der Folge kamen Maristenschwestern (nach Stendal beziehungsweise Seehausen), Maristenmissionsschwestern nach Dessau-Alten und Maristen-(Schul-)brüder ins Bistum“, die sich über die Jahre hinweg dann aber aus Kräftegründen wieder zurückziehen mussten, so Pater Haskamp. Sie waren in Dessau-Propstei, in der Gemeinde Dessau-Alten, in der Gefängnisseelsorge, der Bahnhofsmission, in der Jugendarbeit und bei der Caritas tätig. „Wir hatten bewusst in der Gemeindearbeit begonnen, um festen Boden unter den Füßen zu haben und von da aus zu schauen, was außerdem möglich ist. Und etwas Besseres hatte uns nicht passieren können.“

Wenn er jetzt seine Sachen zusammenpacke, so Pater Haskamp (80) dieser Tage im Gespräch, erinnere er sich sehr gern an die Pilgerreisen mit der Gemeinde zum Beispiel mehrmals ins Heilige Land oder zuletzt bis ins norwegische Trondheim. „Die Fahrten haben uns in der Gemeinde zusammengehalten. Auch die Reisen am Anfang mit Hilfsgütern zu den Schönstatt-Schwestern in Kaliningrad gehören dazu“, so Haskamp.

Aus der Aufbruchsstimmung der 1990er Jahre heraus sei die Gemeinde zahlenmäßig leider nicht gewachsen, so der Seelsorger weiter. Viele junge Leute seien weggezogen und die Gemeinde zunehmend älter geworden. Schließlich sei Dessau-Süd Teil der neu errichteten Pfarrei St. Peter und Paul Dessau geworden „Und es gab auch keine geistlichen Berufungen, wie wir uns das gewünscht hätten.“ Pater Haskamp: „Ich bin aber dennoch dankbar, dass wir ein gutes Stück eines fruchtbaren Weges miteinander gehen konnten. Wir haben immer wieder versucht, mit den Leuten zusammenzukommen und gemeinsam unser Leben zu verlebendigen.“ Dies gelte nicht nur für das Miteinander in der Gemeinde, sondern auch für die Arbeit seiner Mitbrüder, zum Beispiel Georg Galke (82) mit seinen Exerzitien-Angeboten und Impulsen, Alfons Averbeck (83) mit seinem Engagement im Wörlitzer Bibelturm oder Josef-Maria Merkl (73) bei seinem Dienst im Klinikum in Dessau und später für die Mitarbeiter der Caritas-Trägergesellschaft St. Mauritius. Alle Priester hielten in Dessau und Region immer auch Gottesdienste.

Pater Merkl zieht nach Meppen, wo Pater Galke schon seit 2020 lebt. „Wenn ich und Pater Averbeck nun nach Fürstenzell gehen“, so Heinrich Haskamp, „werde ich die schlichte Kirche in Dessau-Süd vermissen.“ Und: „Ich bin Bischof em. Nowak sehr dankbar, dass er uns Maristen hierher gerufen hat.“

(Eckhard Pohl, sus; Foto: Galke)

Predigt von Bischof Dr. Gerhard Feige zum Nachlesen

Mehr: maristenpatres.de

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