
Bildrechte / Quelle: Bistum Magdeburg
Frauenfest am 13. Juni 2026Steine, die noch weggerollt werden müssen
„Lass dich nicht verhärten“ lautet das Motto des diesjährigen Frauenfestes. Es findet am 13. Juni im Kloster Helfta statt. Was es mit dem Thema auf sich hat und was die Besucherinnen und Besucher erwartet.
Erscheinungsdatum: 22. Mai 2026
von Julia Reinard, Tag des Herrn
800 Kilogramm schwer, 1,40 Meter hoch, rundgeschlagen – der Rollstein im Kloster St. Marien zu Helfta gibt Besuchern Rätsel auf. Auf einer Bodenplatte steht, dass der Stein 2001 in Helfta zum Liegen kam – vor 25 Jahren also. Deshalb geht es beim diesjährigen Frauenfest am 13. Juni um Steine. Um Steine, die gemeinsam wegzurollen sind. Darum, das eigene Herz davor zu bewahren, hart wie Stein zu werden. Um zarte Pflanzen, die Steine durchbrechen und um diesen konkreten und augenfälligen Stein.
Denn, warum liegt er eigentlich in Helfta? Er fand dort seinen letzten Standort. Ursprünglich stammt er aus Israel, wurde in der Kölner Dombauhütte geschlagen und zur Jahrtausendwende auf die Reise durch Deutschland geschickt. Damals veranstalteten Frauen in verschiedenen Diözesen Aktionen rund um den Stein. Sie machten so auf gesellschaftliche, politische und insbesondere frauenpolitische Themen, auch innerhalb der Kirche, aufmerksam.
Schon das passe thematisch perfekt zum Frauenfest, findet Bettina Albrecht. Sie hat die Veranstaltung gemeinsam mit Luzia Neubert und dem kfd-Diözesanverband (Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands) organisiert, unterstützt von Bischof Gerhard Feige. Gemeinsam hat das Team einen spannenden Tag geplant. So spricht direkt an diesem Stein Barbara Striegel über dessen Geschichte und den Grund, warum er in Helfta zur Ruhe kam. Sie sagt auch etwas zur Gestaltung des Umfeldes. Denn inzwischen stehen nicht nur zwei Bänke zur Kontemplation beim Rollstein. Sondern es wurden dort vor Kurzem auch drei Rosenstöcke gepflanzt – gezüchtet in Ivry-sur-Seine, dem Lebensort der französischen Mystikerin Madeleine Delbrêl (1904-1964), und ihr gewidmet.
Bettina Albrecht hatte die Rosenstöcke von einer Bildungsreise mitgebracht. Sie empfinde sie als einen „Gruß einer modernen Mystikerin an die großen, mittelalterlichen Mystikerinnen von Helfta“. Beim Frauenfest folgt dem Morgenlob ein Impulsvortrag der Theologin Hildegund Keul, auf den sich Bettina Albrecht und ihr Team freuen. Das Thema lautet: „Lass dich nicht verhärten: Warum lohnt sich das – besonders in diesen Tagen?“ Danach folgen zwei Workshop-Phasen, in denen sich die Teilnehmerinnen inhaltlich mit dem Thema auseinandersetzen. Unter anderem diskutiert Bischof Gerhard Feige in einer Gesprächsrunde die gesellschaftlichen und politischen Verhärtungen im Land. Am Rollstein sprechen die Teilnehmerinnen darüber, welche Steine heute ins Rollen gebracht werden müssen – gesellschaftlich und kirchlich – da Frauen in der Kirche bis heute enorme Kräfte dafür aufbringen, dass auch sie geistliche Verantwortung übernehmen können: als Leiterinnen größerer pastoraler Räume und Institutionen, als Predigerinnen, als Spenderinnen aus gewählter Sakramente.
Sich nicht verhärten zu lassen, sondern das lebendige Herz zu stärken, im Vertrauen zu bleiben, leidenschaftlich und solidarisch, das betrachte sie als Ziele des Frauenfests, sagt Bettina Albrecht. Und dieses empfindsame, lebendige Herz müsse in den persönlichen Belangen ebenso wirken wie in der Gesellschaft und in der Kirche.
400 Frauen und andere Interessierte erwartet Bettina Albrecht zum Frauenfest. Sie können beispielsweise gemeinsam mit einer Akkordeonistin Lieder singen, „die im Singen fröhlich machen“, wie Bettina Albrecht sagt. Sie können im „lebendigen Labyrinth“ (einem spiralförmig angelegten Gartenbereich mit unterschiedlichen Pflanzen und Büschen) Handpan-Musik erleben, ein vieltoniges Blechklanginstrument, dessen Form an eine umgedrehte Schüssel erinnert. Oder sie gestalten selbst: Mit Radierung und Aquarell können sie ein Herz mit den Blüten vermeintlicher Unkräuter füllen.
Wie Bewegung gegen Verhärtung hilft, erfahren die Besucher beim Capacitar: Körperübungen, die bei Stress und Trauma angewandt werden. Oder sie schließen sich einem Rundgang durchs Kloster an, schaukeln sanft oder erschaffen Riesenseifenblasen. Vermutlich wird das Kuchenbuffet wieder überwältigend und die Gemeinschaft herzlich verbunden sein und womöglich zeigt sich Gott nicht nur in allen Begegnungen des Tages, sondern auch beim Wetter wieder wohlwollend.
Das Frauenfest unter dem Motto „Lass dich nicht verhärten!“ findet am 13. Juni ab 9.30 Uhr im Kloster Helfta statt. Das Programm und alle weiteren Informationen finden Sie unter: www.bistum-magdeburg.de/frauenfest
Quelle: Bistum Magdeburg, Pressestelle, presse@bistum-magdeburg.de, 0391-5961134




