
Bildrechte / Quelle: Matthias Ritzmann für die Kunststiftung Sachsen-Anhalt
Predigt von Bischof FeigeKaiser Otto im Magdeburger Dom wiederbeigesetzt
Nach einer langen Sanierung liegt Kaiser Otto der Große wieder in seiner Grablege im Magdeburger Dom. Zur Beisetzung predigte Bischof Gerhard Feige.
Erscheinungsdatum: 1. September 2026
Nach mehr als eineinhalb Jahren liegen die Gebeine Kaiser Ottos des Großen wieder im Grabmal im Magdeburger Dom. "Wir geben Otto seine Totenruhe zurück", sagte der evangelische Landesbischof Friedrich Kramer am Dienstag bei einem Gottesdienst. "Otto war Christ. Sein Glaube hat ihm immer vor Augen geführt, dass es eine höhere Macht gibt, der er sich zu verantworten hat", so Kramer, der dies auch den heutigen Politikern wünsche. Er wurde deutlich: "Ein Rassist kann nicht Deutscher sein. Dem lasst uns fröhlich widerstehen mit dem Geist Ottos, mit dem Geist der Liebe statt des Hasses."
Zuvor war im Januar 2025 die Grablege für eine umfassende Sanierung geöffnet worden. Nun wurden die Gebeine des Kaisers in einem neuen Titansarg bei einer feierlichen Zeremonie wieder in den restaurierten Kalksteinsarkophag im Hohen Chor des Doms eingesenkt. Gestaltet hatte die Künstlerin Silke Trekel den Titansarg.
Bischof Feige: Otto hat Zukunft
Der katholische Bischof Gerhard Feige würdigte in seiner Predigt das Handeln Otto des Großen nach christlichen Werten wie Demut und Barmherzigkeit. «Als Christen und Christinnen sehen wir in Kaiser Otto nicht nur eine äußerst markante Person der Vergangenheit mit einer nachhaltigen Wirkungsgeschichte, sondern glauben, dass er auch eine Zukunft hat», so Feige.
"Für Gott ist jeder Mensch - ob reich oder arm, mächtig oder schwach, ohne oder mit Behinderung, binär oder queer, deutscher oder anderer Abstammung - sein Ebenbild und damit einmalig, kostbar und zu einer Lebensfülle berufen, der der Tod nichts anhaben kann."
Schulze warnt vor Missbrauch Ottos
An der Beisetzungszeremonie im voll besetzten Dom nahmen auch Spitzenvertreter aus Politik, Kultur und Kirche teil. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) kritisierte bei einer Ansprache ein falsches Verständnis vom Wirken Otto des Großen. "Ich finde es schlimm, dass in diesen Zeiten einige Otto missbrauchen wollen für eine Ideologie. Das gab es schon mal, das wollen wir nicht."
Anfang dieses Jahres etwa hatte der AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider das Zeigen des Skeletts Otto des Großen an der Universität Halle mit den Worten kritisiert, dass "Reliquien der deutschen Nation" einer "banalen Neugier ausgeliefert" worden seien.
Weimer: Otto als Mann der Mitte
Für Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos), der in seiner Rede Otto den Großen direkt ansprach, war der Kaiser ein Mann der Mitte. "Sie sind in erster Linie Europäer. Sie haben europäisch gedacht und gehandelt", so Weimer. Ottos Staatsbild sei nicht völkisch, sondern christlich-inklusiv gewesen.
"Guter deutscher Patriotismus ist immer europäischer Patriotismus", so Weimer weiter, der sich ebenso gegen eine Vereinnahmung von Links- und besonders Rechtsaußen aussprach. "Wie immer man zu tagespolitischen Dingen steht: Ein wenig mehr Otto wagen, täte allen gut."
Muskulös, aber leichte Arthrose
Im Zuge der Sanierung wurden sowohl der Kalksteinsarkophag als auch der darin befindliche Holzsarg Otto des Großen geöffnet und Gebeine, textile und organische Reste sowie Sediment vollständig geborgen und wissenschaftlich untersucht. Dabei wurde auch die Frage geklärt, dass in dem Grab tatsächlich noch Otto der Große liegt. In der Historie wurde das Grab mehrfach geöffnet.
Die Untersuchungen förderten auch neue Details über das Leben und den Tod Otto des Großen ans Tageslicht: Demnach war Otto muskulös, hatte aber leichte Arthrose, einige Läsuren am Hinterkopf - vermutliche Kriegswunden - und ihm fehlten drei Zähne.
Kaiser Otto I. (912-973) war einer der bedeutendsten Herrscher Europas. Er wurde 962 in Rom zum Kaiser gekrönt. 968 gründete er das Erzbistum Magdeburg. 973 starb er in Memleben. Durch die Wiederbelebung des römischen Kaisertums legte er den Grundstein für das spätere Heilige Römische Reich. Sein Grabmal im Magdeburger Dom ist weit über die Landesgrenzen Sachsen-Anhalts hinaus ein Denkmal von erheblichem kulturhistorischen Wert.
Quelle: kna




