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Bischof Feige bei einer Rede

Ökumenischer Jahresempfang 2026Wie politisch darf Kirche sein?

Demokratie, Menschenrechte, Wahlen: Beim Ökumenischen Jahresempfang der Kirchen am 16. Juni 2026 fanden Spitzenvertreter aus Politik und Kirchen deutliche Worte. Die anstehende Landtagswahl dominierte. Die Kirchen wollen sich weiter einmischen.

Erscheinungsdatum: 16. Juni 2026

Viel Positives in Sachsen-Anhalt geht laut Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) auf die Kirchen zurück. Sie leisteten einen großen Beitrag für Menschenrechte, Demokratie und soziale Gerechtigkeit, sagte er beim ökumenischen Empfang der Kirchen in Sachsen-Anhalt am Dienstag, dem 16. Juni 2026, in Magdeburg mit zahlreichen Vertretern aus Politik, Kirche und Gesellschaft. „Ich persönlich bin überzeugt, dass Kirche nicht nur politisch sein darf, sondern auch sein muss.“ Er finde es richtig, dass die Kirchen engagiert zum Wählen aufriefen, und es sei wichtig, darüber zu sprechen, was manche Parteien mit dem Land vorhätten.

Bischof Feige: Werden nicht schweigen

Bischof Gerhard Feige sagte: „Ich hoffe, dass das nicht unser letzter derartiger Empfang unter freiheitlich-pluralistischen Bedingungen gewesen ist.“ Am 6. September ist Landtagswahl; die als gesichert rechtsextrem eingestufte AfD liegt in Umfragen bei 42 Prozent. Er merkte an, dass die Partei mit dem Slogan „Wieder sagen, was man denkt“ werbe, und: „Absurderweise versucht dieselbe Partei, uns dafür aber schon länger verbal niederzuknüppeln.“

Die Kirchen würden auch weiterhin, ob unter freiheitlich-demokratischen oder auch unter autoritär-diktatorischen Bedingungen, Partei ergreifen und sich für die Achtung der Menschenwürde und -rechte, Freiheit, Toleranz, Solidarität und Nächstenliebe einsetzen, betonte Feige. Der evangelische Landesbischof Friedrich Kramer ergänzte unter Applaus: «Wir sind vielstimmig, eng verbunden und setzen auf liberale Demokratie.» Christlicher Glaube halte daran fest, dass Hoffnung kein frommer Zusatz, sondern eine Grundhaltung sei.

Wann sollten sich Kirchen politisch einmischen?

Der Politikwissenschaftler und Publizist Andreas Püttmann erklärte im Festvortrag, dass das Christentum seiner Ethik wegen nie unpolitisch sein könne. „In Zeiten, in denen weder das System des demokratischen Rechtsstaats noch Grundrechte wesentlich bedroht sind, kann eine Kirche sich eher politisch zurückhalten als in einer Zeit gravierender Krisen und extremistischer Angriffe auf die menschenwürdige Ordnung der liberalen Demokratie“, so Püttmann. „Dann müssen sich Kirchen eher mehr als weniger zu Wort melden, gegen den Trend.“ Das gelte insbesondere bei der Verteidigung angefochtener ethischer Positionen, auch wenn man sich damit unbeliebt mache.

Wichtig sei auch, das Ganze mit fundiertem christlichem Sachverstand vorzubringen: „Überschießende Schärfe prägt unsere Debatten eh schon inflationär und steht einer Kirche so schlecht zu Gesicht wie opportunistisches Schweigen.“ Am ehesten könnten Kirchen auf politische Einmischung verzichten, wo ihre Haltung schon en vogue sei, sagte Püttmann. Auch in Gottesdiensten rät er eher zu „politischer Diät“, aus Gründen des Glaubens wie der Vernunft.

Vortrag von Dr. Andreas Püttmann "Wie politisch kann und muss Kirche sein?"

Video des Vortrags von Andreas Püttmann

Quelle: kna; Bistum Magdeburg, Pressestelle, presse@bistum-magdeburg.de, 0391-5961134


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